Gut leben in der Iranischen Straße

Das Projekt “Gut leben in der Iranischen Straße” will alle Mietparteien der Iranische Straße 3 darin unterstützen sich selbst zu organisieren und eine Hausvertretung zu bilden:
– um Konflikte innerhalb der Bewohnerschaft zu klären und die Nachbarschaft und das Zusammenleben zu stärken;
– um Mieterinteressen gegenüber dem Vermieter besser durchzusetzen;
– um notwendige Informationen und Beratung zu erhalten;
– um Konflikte mit der umliegenden Nachbarschaft zu mediieren;
– um den Bewegungs- und Spielraum ums Haus und in den angrenzenden Grünanlagen vor allem für die Kinder zu erweitern aber auch um Aufenthaltsmöglichkeiten für die gesamten Familien dort zu entwickeln. 

Die mit der Situation im Haus befassten Akteure erhalten so feste Ansprechpartner. Das Integrationsbüro des BA Mitte unterstützt das Vorhaben. 

Projektphasen: 

I) Analyse der Situation und der Konfliktlagen im Gespräch mit Mietergruppen, einzelnen Mietparteien, mit dem Haus befassten bezirklichen Akteuren, freien Trägern, der Hausverwaltung und externen Beschwerdeführern zur Auslotung von Mediationsmöglichkeiten.

II) Durchführung und Moderation von 6 Hausversammlungen mit Sprachmittlung, wenn möglich vor Ort. Klärung von hausinternen Konflikten. Beratung zu Mieterrechten und -Pflichten, Beratung zu Handlungsoptionen und zur Durchsetzung der Mieterinteressen. Beratung zu Kinderrechten durch das Kinder- und Jugendbüro. Unterstützung der Wahl einer Hausvertretung (3-4 Personen) als Sprecher der Mietergruppen und Ansprechpartner für die mit dem Haus befassten Akteure und die Hausverwaltung. Begleitung der Hausvertretung bei der Mediation mit der Hausverwaltung, dem Sicherheitspersonal, der weiteren Nachbarschaft. Beratung der Hausvertretung zum Fortbestand der Struktur über das Projektende hinaus.
Die Hausversammlungen richten sich an alle Bewohner und werden vorbereitet und moderiert von einer externen Fachkraft, die auch alle Informationen sammelt und bündelt. Auch die vorausgehende Situationsanalyse und die Mediationsversuche leistet diese Kraft.
Besuche des Präventionsbeauftragten Polizei Abschnitt 36 bei Hausversammlungen soll Vertrauen wiederherstellen und Informationen bereitstellen, und zu deeskalierendem Verhalten beraten.
Vorstellung des Hauses der Jugend und des Familienzentrums am Nauener Platz/ Stiftung SPI bei einer der Hausversammlungen. 

III) Begehungen der bezirkseigenen verwilderten Grünflächen mit dem Straßen- und Grünflächenamt zur Erweiterung der Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten der Familien.
Veranstaltung von 2 Festen im Außenbereich zur Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenhalts unter Einbeziehung der BewohnerInnen der umliegenden Senioreneinrichtungen.
Der Prozess soll fortlaufend dokumentiert werden. Ein Abschlussbericht fasst im die Ergebnisse zusammen: Wie viele und welche BewohnerInnen wurden erreicht; Wie nachhaltig ist die aufgebaute Struktur; Welche Probleme und Konflikte konnten gelöst werden; Welchen Zugewinn an Spiel-, Aufenthalts- und Sportflächen haben die Kinder, Jugendlichen, die ganzen Familien erworben. 

Aufgrund der Corona-Pandemie werden Veranstaltungen ggf. digital durchgeführt. 

Zum Hintergrund: 

Das Haus Iranische Straße 3 liegt isoliert zwischen dem Gelände des jüdischen Krankenhauses, einem aufgegebenen Pflegeheim und Senioren-Wohnanlagen am Nauener Platz. Die etwa 60 Wohnungen werden vor allem von einer großen Gruppe von Roma-Familien aus Rumänien bewohnt, weitere Mietergruppen haben arabischen, bulgarischen, türkischen und deutschen Hintergrund. Die rumänischen Familien stammen alle aus derselben Region und gehören einer Pfingstgemeinde an und sind allesamt kinderreich. Es gibt regelmäßige und häufige Beschwerden vor allem über die rumänischen Familien an das Bezirksamt Mitte aus dem Haus selbst, vom Vermieter und aus den umliegenden Senioren-Wohnanlagen. Wegen des Lärms der Kinder, angeblich trinkenden Männern vor den Eingängen etc. Die Familien sind bedroht durch Kündigungen wegen Überbelegung der Wohnungen. Sie sind eingeschüchtert vom Sicherheitspersonal der Hausverwaltung. Aufgrund der ständigen Beschwerden und der Angst vor Kündigungen halten die Eltern ihre Kinder an, nicht draußen zu spielen obwohl das Haus an eine großzügige Gartenanlage eines ehemaligen Pflegeheims grenzt, die als Spielfläche für die Kinder geeignet wäre. Durch eine geplante bezirkliche Zwischennutzung des Leerstands werden dort Räume innen und außen nutzbar. Kulturen im Kiez ist seit Sommer mit seinen 2 Projekten in der Iranischen Straße 3 präsent. Kolleginnen des Projekts “Zurale Phenja – Starke Schwestern” (ein Projekt für Roma-Mädchen und junge Frauen) erreicht inzwischen 30 Mädchen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren und spricht auch die Mütter an. Die Kolleginnen des Ehap-Projekts “Ankommen im Wedding” werben für die Sozialberatung am nah gelegenen Utrechter Platz und beraten auch vor Ort. Der Aufbau eines Sportangebots für die Jungs ist in Planung.

 

Datum

01/12/2019

30/09/2020

Modellkommune

Berlin

Träger

Kulturen im Kiez e.V.

Ansprechperson

Gottfried Uebele

Adresse

Utrechter Straße 36

13346 Berlin