„Hilfe ich bin im Vorstand!“ Unterstützungsangebot für ehrenamtliche Vorstandsarbeit

Der Verein ist einer der bedeutendsten Rechtsform des Engagements und sticht auch vor allem in seiner Wirksamkeit hervor, im Vergleich zu kleineren Initiativen oder ad hoc Bündnissen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen rechtlicher und anderer Art an die Vorstände, die mit vielfältigen Herausforderungen für Verbände einhergehen. Begrenzte Zeitressourcen, hohe Mobilität, steigende Vorstandsaufgaben durch öffentliche Auftritte und Vertretungen sowie sinkende Motivationen nach der Wahl sind einige Beispiele davon. So haben nicht wenige Vereine zunehmend Schwierigkeiten, ehrenamtliche Leitungspositionen zu besetzen. Das gilt auch für Migrant*innenorganisationen. Viele von ihnen erreichen durch Projektträgerschaften und ihren Dachorganisationen mehr Sichtbarkeit und Wirksamkeit. Hinzu kommen Maßnahmen zur Professionalisierung von Migrant*innenorganisationen auf Ebene des Landes und auf Bundesebene, bspw. die Strukturförderung des BAMF für Dachverbände. Durch diese Projekte bekommen Verbände für die ehrenamtliche Arbeit Unterstützung durch die Besetzung von hauptamtlichen Mitarbeitenden, gleichzeitig wachsen aber die Erwartungen der Förderer an Verbänden, gewisse Meilensteine zur Verbandsentwicklung, bspw. Verbandsstrategie, Öffentlichkeitsarbeit, Personalverwaltung, das Erlangen von finanzieller Unabhängigkeit durch Gewinnung von Partner u. v. m., zu erreichen. Denn Vorstände tragen eine entscheidende Rolle für die Zukunftsfähigkeit des Verbandes. Die Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit der Verbandsentwicklung sowie die Repräsentation des Verbands nach innen und außen liegt an ihnen.

Die wachsende Verantwortungsbürde, der hohe Zeit- und Arbeitsaufwand und die Komplexität der Aufgaben führt nicht selten zu weniger Kandidat*innen oder sinkender Motivation nach der Wahl zum Vorstand. Diese Situation darf nach unserer Auffassung nicht dazu führen, die Kompetenzen oder die Motivation als solche infrage zu stellen, sondern muss vielmehr als Auftrag verstanden werden, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Mit diesem Vorhaben möchten wir dazu beitragen, systematische Hilfestellungen für Ehrenamtler in der Zielgruppe zu leisten, damit sie die Vorstandsarbeit dem Auftrag gerecht und angepasst an gesellschaftliche Rahmenbedingungen ausführen können, um die Entwicklung ihre Verbände zu begleiten und zu fördern.

Das Vorhaben konzentriert sich auf drei Themen für die Vorstandsarbeit, die jeweils in Seminaren an verschiedenen Standorten vermittelt werden sollen. Während die Säulen (a) und (b) an allen Standorten entweder als Einzelsitzungen oder in kombinierten Sitzungen veranstaltet werden, ist es geplant, die dritte Säule (c) während der Projektlaufzeit zwei Mal, in Berlin und in Augsburg, durchzuführen:

a) „Lust statt Frust“ – Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit im Vorstand und mit dem Hauptamt
Dieses Modul soll den Vorständen dabei helfen, den Auftrag als ehrenamtliche Führungskräfte in einer wachsenden Organisation besser zu verstehen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Einige davon sind: Aufgaben- und Rollenaufteilung, Entwicklung von Verbandsstrategie, Rolle und Selbstverständnis als Vorstand, Grundlagen des Vereinsrechts für eingetragene Vereine, Besonderheiten der Führung in NGOs, Mitgliedermanagement, moderne Führungsinstrumente und Erwartungsmanagement in der Kooperation mit Hauptamt.

b) „All local is political“ – Politische Lobbyarbeit als MO
Die politische Lobbyarbeit ist für Migrantenorganisationen genauso wichtig, wie für wirtschaftliche Unternehmen und Organisationen. An der Wirkung ihrer Lobbyarbeit auf die Politik misst sich nicht nur die Sichtbarkeit einer Organisation, sondern auch das Durchsetzungsvermögen ihrer Forderungen. Um ihre politischen Botschaften erfolgreich vermitteln zu können, ist es wichtig die Erwartungen und Arbeitsweisen des Politikbetriebs auf verschiedenen Ebenen (kommunal, regional, überregional) zu kennen. Nach dem Prinzip „Jede Schlacht ist schon gewonnen (bzw. verloren), bevor sie begonnen hat” nimmt dieses Modul folgende Aspekte der Lobbyarbeit in den Fokus: „Policy Ebene: Inhalte und Ziele organisieren“, „Polity Ebene: Ansprechpartner*innen & Strukturen“ und „Politics Ebene: Maßnahmen und Aktivitäten optimieren“ der politischen Lobbyarbeit. Gleichwohl befasst sie sich mit den aktuellen Chancen und Herausforderungen, die zu beachten sind.

c) „Gute Sache.Kompakt“ – Allianzen bilden. Kooperationen finden. Zusammen gewinnen.
„Gute Sache“ ist ein Qualifizierungsformat für die Zielgruppe, die nutzenstiftende Wege für die Kooperation mit Unternehmen aufzeigt. Es ist als ein Tagesseminar konzipiert und richtet sich an gemeinnützige Vereine und soziale Einrichtungen, damit diese aktive und kompetente Zusammenarbeit mit Unternehmen anstreben können, jenseits von Spenden und Sponsoring. Es beruht auf den mehrjährigen Erfahrungen des umfangreicheren Qualifizierungsprogramms“ Gute Sache“ (www.gute-sachen.org), durch das seit 2012 mehr als 250 Organisationen wirkungsvoll für die Kooperation mit Unternehmen qualifiziert werden. Im Rahmen des Projektvorhabens wird das Konzept mit dem BZI Team für die Belange der Migrant*innenorganisationen angepasst. Die Durchführung der Tagesseminare übernehmen weitgehend Trainer*innen des „UPJ Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR“, die für dieses Angebot geschult worden sind.

Datum

01/06/2020

31/01/2021

Modellkommune

Augsburg, Berlin, Erfurt

Träger

Förderverein des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates e. V.

Ansprechperson

Dr. Deniz Nergiz

Adresse

Brunnenstr. 181

10119 Berlin