Mit uns, mit euch, zusammen – Runde Tische als migrantische Interessenvertretung in den Gemeinden im Burgenlandkreis

Ideen einzubringen, sich zu Wort melden und gehört zu werden, ist wichtig in einer Demokratie. Dieser Grundsatz umfasst alle Menschen in einer Kommune, gleich welcher Herkunft, Religion oder sonstigen vermeintlichen Distinktionsmerkmalen. Noch immer werden regelmäßig Entscheidungen über Menschen mit Migrationshintergrund getroffen, ohne dass sie in die Diskussion einbezogen sind. Im Rahmen des Modellprojekts BePart – Teilhabe beginnt vor Ort! möchten wir versuchen, das in den drei großen Städten im Burgenlandkreis – Weißenfels, Naumburg und Zeitz –zu ändern.

Ziel unserer geplanten Aktivität ist die Gründung eines Runden Tisches in Weißenfels. Weißenfels hat einen Anteil von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte von rund 10 Prozent, in einigen Stadtteilen von fast 50 Prozent. Ein formelles oder informelles Gremium, um die Migrant*innen in Weißenfels zu Wort kommen zu lassen, ist bislang nicht vorhanden. Vor diesem Hintergrund möchten wir den Runden Tisch ins Leben rufen. Der Runde Tisch soll im Selbstverständnis als gesellschaftspolitische Interessenvertretung der Migrant*innen in Weißenfels auftreten. Ganz im Sinne von BePart: Teilhabe beginnt vor Ort!

Unsere Projektidee gliedert sich in mehrere Schritte:

1) Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit:
Im ersten Schritt nehmen wir Kontakt auf zu den verschiedenen Communities in Weißenfels. Wir möchten alle Communities und ihre Initiativen, aber auch alle andere gesellschaftspolitischen Initiativen ansprechen, die sich in Weißenfels für ein gutes Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Dazu werden wir in persönlicher Ansprache, d.h. in Einzelgesprächen interessierte Menschen für unser Anliegen motiviert. Darüber hinaus werden wir niedrigschwellig durch das Verbreiten von Flyern in den Wohnquartieren mit einem hohen Anteil von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte für unser Anliegen werben. Wir nutzen digitale Kanäle, um die Menschen in Weißenfels zu erreichen.

2) Zusammenkommen, diskutieren, definieren:
Nachdem mit Interessierten gesprochen und die Idee eines Rundes Tisches vorgestellt wurde, laden wir ein zu einer ersten Sitzung – als Präsenzveranstaltung oder digital. Alle Beteiligten artikulieren ihre Erwartungen, ggf. auch Vorbehalte und Wünsche. Der entstehende Diskussionsprozess soll im Ergebnis das Selbstverständnis des Runden Tisches formulieren. Ein solches Treffen, eher durch einen informativen Charakter gekennzeichnet, kann mehrmals wiederholt werden, bis basisdemokratisch zwischen alle Beteiligten Konsens hergestellt ist, wie und in welcher Form man zusammenarbeiten möchte.

3) Der Runde Tisch nimmt die Arbeit auf:
Im nächsten Schritt haben wir das Ziel, der bislang informellen Arbeit Strukturen zu geben. Unser Grundsatz lautet: So frei wie möglich und so verbindlich wie nötig. Darunter verstehen wir bspw. die Wahl von Ansprechpersonen, die den Runden Tisch nach außen vertreten. Ferner sollen turnusmäßig Sitzungen anberaumt werden. Gleichzeitig soll per Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Runde Tisch von und für Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte in Weißenfels publik gemacht werden. So soll er zu einer communityübergreifenden Interessenvertretung von Migrant*innen einerseits werden. Andererseits als Ansprechstelle für die Gemeindevertretung, die Verwaltung, Kultur, Wirtschaft und alle zivilgesellschaftlichen Akteur*innen fungieren.

Federführend wird unsere Aktivität durch die Menschen in Weißenfels durchgeführt. Das Forum Ehrenamt tritt formal als Träger auf, da bislang aufgrund mangelnder Ressourcen keine Migrantenselbstorganisation im Burgenlandkreis für die Initiative gewonnen werden konnte. Gleichwohl sind wir davon überzeugt, eine Vielzahl von interessierten und aktiven Menschen aus allen Communities gewinnen zu können. Besonders wichtig ist uns die Parität der Geschlechter. Unterstützt werden wir vom Bereich für Gleichstellung und Integration der Stadt Weißenfels.
Besonders wichtig ist uns, dass unsere Projektidee eng verbunden ist mit der Aktivität aus der ersten Förderperiode von BePart: Der Gründung einer communityübergreifenden Migrantenselbstorganisation im Burgenlandkreis. Unsere Projektidee ganz klar unabhängig von der ersten Projektphase, flankiert diese aber. Denn sobald der Runde Tisch in Weißenfels seine Arbeit aufgenommen hat, können weitere Runde Tische in Zeitz und Naumburg gegründet werden. Ob dies während der Projektlaufzeit im Rahmen von BePart geschehen wird, können wir noch nicht beantworten. Was wir aber können, ist ein Netzwerk von Migrantenselbstorganisationen und migrantischen Initiativen als Ziel im Blick zu haben.

Dies geschieht in enger Abstimmung mit der Migrationsagentur des Burgenlandkreises. Den bereits begonnen Prozess der Gründung eines Integrationsbeirats für den gesamten Landkreis möchte wir nach bestem Wissen und Vermögen unterstützen. Gleichzeitig halten wir aufgrund der flächenmäßigen Ausdehnung und Besonderheiten jeder Gemeinde dezentrale Runde Tische für sehr begrüßenswert. Uns geht es darum, Barrieren zu überwinden, einen informellen, aber dennoch organisierten Ablauf sowie eine strukturierte Plattform für die Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte in Weißenfels sowie bestenfalls Zeitz und Naumburg zu schaffen.

Der Kirchenkreis Naumburg-Zeitz / forum ehrenamt macht auch mit diesen Projektaktivitäten in BePart mit:

MEBB: Migrantische Eltern besser beteiligen

Gründung einer communityübergreifenden Migrantenselbstorganisation als Interessenvertretung im Burgenlandkreis

Polonia Weißenfels als Verein etablieren

 

Datum

01/06/2020

31/01/2021

Modellkommune

Burgenlandkreis

Träger

Kirchenkreis Naumburg-Zeitz / forum ehrenamt

Ansprechperson

Christian Heyder

Adresse

Domplatz 8

06618 Naumburg